Freitag, 10. Juni 2011

Regeln und Rituale bei Kleinkindern

Der Zeitpunkt, über Regeln und Rituale zu schreiben, ist vielleicht nicht der Günstigste. Schließlich kämpft Melly mit der Geburt ihrer letzten beiden Zähne, und sie kämpft wie eine Löwin. Das gilt für Ihre Tapferkeit, denn es setzt ihr extrem zu. Seit zwei Wochen heißt das mal wieder: Impulsives, unberechenbares Verhalten, häufiges Weinen, starker Drang nach Sicherheit (deshalb geht sie nicht aus), provozierendes Verhalten, Grenzen testen, Unwiligkeit, sich unterzuordnen. Kurz gesagt: Sie ist westentlich schwieriger als sonst. Wir kennen das und wissen, es klingt nach rund 4-8 Wochen wieder ab. Für mich ist es dennoch immer wieder herausfordernd, da ich dadurch mit meiner eigenen Kindheit konfrontiert werde. Bei uns gab's nur Gehorsam und Zwang. Die Konsequenzen für renitentes Verhalten waren Liebesentzug.
Das wollen wir nicht. Den nicht ganz unbekannten Kloeters-Briefen zufolge muss das auch nicht sein. Demnach ist der momentane Zustand des Kindes entscheidend dafür, mit welchen Maßnahmen ich mich bei meinem Kind durchzusetzen versuche. Geht es dem Kind gut, bleibe ich konsequent, geht es ihm nicht gut, gebe ich nach. Das heißt bei uns konkret: Wenn sie z.B. nach Rosinen oder Datteln bettelt, oder einem sog. Butterberg, dann sagen wir zwar vorher, "jetzt ist Schluss", oder "nur 4 - mehr nicht", aber auf Bitten und Flehen bekommt sie doch noch etwas mehr. Sie sagt dann selbst "nur noch einmal" oder "ein Letztes, ein Allerletztes" und weiß natürlich, dass sie damit Erfolg hat, aber das Gute daran ist: Sie hält sich IMMER an diese Regel. Ein letztes, allerletztes Mal ist genau das. Wenn man das vorher weiß, kann man sich danach richten. Später mehr zum Thema Regeln...
Rituale: Wenn Melly sind zurzeit vor allem die Zubettgeh-Rituale von Bedeutung. Wann komme ich zur Ruhe und wie? Andere regelmäßige Ereignisse, wie das Kinderturnen oder ihre Kleinkindergruppe im Montessori-Haus sind beim Zahnen nicht so wichtig, da sie nicht ihren unmittelbarem Bedürfnis nach Sicherheit und vertrauter Umgebung entsprechen.
Beim Zubettgehen kennt sie die üblichen Schlaflieder und ihre Pixie-Bücher. Das Vorlesen macht sie zum Glück auch wirklich müde - ist bei Melly also kein Klischee. Das Zähneputzen gehört ebenfalls dazu wie ein Gebet... Am Wirkungsvollsten aber ist das Tragetuch bzw. der Tragegurt - der immer noch zum Tragen kommt, wenn alles andere versagt. Das kann während des Zahnens durchaus auch mal um 2 Uhr morgens sein, denn der Schlaf ist in dieser Zeit unruhig und das Einschlafen äußerst problematisch.